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31/07/2010#

zu den schwanzfotos

texte zu den schwanzfotos

Das zentrale Thema meiner künstlerischen Arbeit der letzten Zeit, ist der Schwanz und die damit unmittelbar verbundene Sexualität und Lust. Ich verwende hier ganz bewußt den umgangssprachlichen Ausdruck. Die wissenschaftliche Begrifflichkeit ist mir bei einem diesem intimen Körperteil zuwider. Sie stößt uns nur auf die durch sie versuchte Normierung. Auf die Versuche ein Maß einzuführen, die Versuche etwas in Grenzen zu bringen, das sich dem durch seine Vielgestaltigkeit entzieht und dessen Reiz genau darin liegt.

Im Wesentlichen habe ich mich auf zwei Wegen an die Sache heran gegangen. Zunächst über den Fotografischen weg, später über den zeichnerischen.
In dem oben erwähnten Sinne der Vielgestaltigkeit, habe ich über Anzeigen in Zeitungen Männer gesucht die ihren Schwanz kostenlos fotografieren ließen. Ich habe dabei nicht nach Alter oder Körperbau ausgewählt. Jeden der sich bereit erklärt hat und zu mir kam habe ich fotografiert und ich habe ebenfalls versucht von jedem ein Foto in die Ausstellung zu bringen. Die Bandbreite der Männer die kamen war größer als ich dachte, allen gemeinsam der Antrieb sich mit ihrem Geschlecht auseinander zu setzten und sei es nur um ein gutes Foto, zu welchem Zweck auch immer, von sich selbst zu haben.
Ich habe dabei den Fokus ganz bewußt nur auf den Schwanz konzentriert und habe es immer vermieden zuviel von der Person zu zeigen, die mich, meine Modelle mögen mir verzeihen, in diesem Fall für mich auch ohne Interesse waren. Ich habe stets vermieden, z.B. scheinbare Unzulänglichkeiten oder körperliche Eigenarten ins lächerliche zu ziehen oder zu überzeichnen. Ich will, das zeigen was sonst unter Feigenblättern versteckt bleibt, von dem was einfach nicht dargestellt wird, weil der KünstlerInnenblick der Frau gilt, oder einfach in einer oft geradezu lächerlich, in welche Richtung auch immer, verzerrten Weise abgebildet wird. Auch wenn einige Fotos nicht einer gewissen Heiterkeit oder Erotik entbehren ist es mir ein anliegen die Schwänze so zu zeigen wie sie sind. Ich bin sozusagen umgekehrt gegenüber der üblichen Nacktfotographie, bei der meist penibel darauf geachtet wird, damit „nichts“ zu sehen ist, vorgegangen.
Entstanden ist dabei eine Sammlung von großformatigen, Fotos wobei mir nicht der Wert dieser Arbeit an jeden Foto als einzelnes liegt, sondern als Ganzes. Ich sehe diese Projekt nicht als Ansammlung vieler Einzelbilder sondern als Gesamtheit, mit einem dokumentarischen Anspruch.
Zu Beginn meiner Arbeit hatte ich die Befürchtung leicht in das Pornographische oder zumindest Erotische, beides ist a priori für mich kein Problem und letztendlich auch nicht ganz zu vermeiden, schon aus der Natur der Sache und das Lustvolle der Fotos möchte ich in keiner Weise in Abrede stellen, trotzdem wollte ich die Nähe zu diesen beiden Sparten meiden, um nicht in eine Richtung zu gelange die nicht meinen Intentionen entspricht, da mir, so spannend das Pornographische auch sein kann, die Reduktion auf das Funktionale zu wenig ist. Es ist erstaunlich, daß der unverhüllte Schwanz in den Medien so gut wie nicht präsent ist, verständlich das eine Erektion leicht in das pornographische rutscht, aber die Logik des Verstecken eines schlaffen Schwanzes ist mir relativ unzugänglich, da dies ja bei den Frauen analog nicht zutrifft.
Der zweite Weg des Herangehens ist über das Graphische. Ich verarbeitete dabei formale Metaphern der Wissenschaft und Sexualforschung mit ihren Versuchen das Thema mit den Mitteln des Messens und Beschreibens Herr zu werden. Mehrere Zeichnungen und großformatige Grafiken zeigen von meiner Auseinandersetzung mit dem Spannungfeld von immer wieder durchbrechender Lust an der Sexualität und der sie zu beschreiben versuchende Wissenschaft mit ihrer hier wohl untauglichen Ernsthaftigkeit.

Frank Gassner, Wien, 2002

text des beiblattes des kataloges der ausstellung in wolkersdorf bezogen hauptsächlich auf die schwanzfotos

Ich war gelangweilt.
Ich war gelangweilt von Aktfotos die dann doch nicht alles zeigen, von Zeitungen in denen Busen formatfüllend abgelichtet werden aber das kleinste Schwänzchen tunlichst vermieden wird, von Pornos die lächerliche Riesen als Normalität ausgeben, von der scheinbaren Selbstverständlichkeit mit der die weibliche Auseinandersetzung mit ihrem Geschlecht rezipiert wird, von der befremdlichen Abwesenheit der unverhüllten männlichen Leibesmitte in der Kunst.
Ich wollte schlicht und einfach wissen, was die anderen so in der Hose haben. Wie groß? Wie dick? Wie lang? Selbstverständliche Fragen eines neugierigen Menschen, der ich nun mal bin. Ich habe schamlos das Feigenblatt gehoben und nachgeschaut. Ich habe Anzeigen aufgegeben und jeden der sich meldete fotografiert, ohne Auswahl nach Größe, Alter oder andern Kriterien. Entstanden ist dabei eine Sammlung von Fotos die sich intensiv mit dem männlichen Körper auseinandersetzt.
Jetzt ist mir nicht mehr langweilig.

Frank Gassner, Wien 2002

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