Loading...
31/03/2003#

phettberg

text bezogen auf die schwanzfotos

 

Schwänze bedeuten mir nichts

Dass Männer Schwänze tragen, bedeutet mir genauso wenig wie, dass Frauen Vulven tragen. Mich interessiert nur, dass ich teilhaben darf an Obszönitäten. Das heißt Unverwandtschaft. Dass Leute zueinander unverwandt sind, das interessiert mich. Da Geschlechtsteile verborgen werden, ist das unverwandte Öffnen eines Hosentürls also insofern spannend, als es mir befiehlt, mich niederzuknien, um es zu lecken, wiewohl es vielleicht dreckig ist, weil in der engen Dunstigkeit der Hose sich besonders viel und schnell Bakterien und Keime vermehrten. Aber trotzdem knie ich mich sofort nieder und lecke begierig, und flehe zudem um Prügel während des Leckens, weil ich in die Unverwandtschaft aufgenommen wurde dadurch.
Genauso ist es, wenn Tschnuggnall, der zwanzigjährige Singsieger 2003 des Fernsehens, über seien endlos langen Beine knallenge, extra versaute Bluejeans zieht, um mich fertig zu machen. Er weiß genau, dass er siegt, wenn er seine Beine spreizt ein paar Sekunden vor seinem Auftritt, sodass ihm alle zuschaun können, wie er sich schämt, sie zu spreizen, während ihm alle zuschauen dabei, und er unbeholfen den Winkel anstiert, der den Verwandten an Unverwandtheit gerade noch zumutbar scheint. Das interessiert mich, an dem um einige Grad wärmeren Geheimnis im Schritt. Wie das ausschaut, ist mir egal komischerweise. Da mich aber sämtliche Jeansboys der Erde niemals einweihen in ihre Schritte, schmachte ich ewig und träume und würde alle Rutenschläge auf mich nehmen, Tag für Tag festere, wenn auch nur einmal noch in meinem Leben, ein Jeansboy sein Hosentürl wortlos öffnete, damit ich seinen dampfenden Gestank gierig einatmen könnte da unten.
Ich vermute, dass einige andere Teile der Menschheit hinwiederum das Geschlechtsteil der versauten Jeansboys selber ins Zentrum der Betrachtungen rückte, weil – wie Grassl sagt – „die Sexualität jedes Menschen so individuell ist, wie sein Fingerabdruck“. Was sonst auch immer da wäre, wo Eier und Schwanz angesetzt sind bei den Jüngelchens, ich würde es mit Haut und Haar verschlingen, weil die Augen der Jünglinge so herzzerreißend schmachten, flehen, angebetet, verehrt und genommen zu werden, weil sie es nicht fassen können, was auf Erden sie hier erwartete. Sie gießen ihren Liebreiz über uns, und in dem Moment, sind wir vernichtet. So gerne vernichtet. Es vernichtet wahrscheinlich anders, durch andere Fallen, als das Weibliche. Und dem bin halt ich verfallen. Bitte sperrt mich in einen Keller, und züchtig mich kräftig zweimal am Tag den ganzen Sommer hindurch!

Hermes Phettberg in Einlösung des Gutscheines, der weiter in Kraft bleibt, für den Jeansboys des 12.3.2002, vorgelegt in einem Mail vom 29.4.03 um 9:46 Uhr für www.frankgassner.org, geschrieben am Sa. 3.5.03 um 8:36 Uhr.

zur Homepage von Hermes Phettberg

weitere Texte zum Thema: Hermann Nitsch und Frank Gassner