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31/07/2003#

nitsch

text zum anlass der ausstellung in wolkersdorf bezogen auf die dort hauptsächlich ausgestellten schwanzfotos
Nietzsche betont immer wieder dass das christentum, als auch alle asketische philosophie schmutz auf die zeugung, auf die vorrausetzung des lebens auf die erotik und sexualität geworfen haben. die kunst hat sich im verlauf ihrer entwicklung um die verschiedensten darstellungsbereiche bemüht. der horizont wurde immer mehr erweitert. alles wurde und wird thematisiert: die mythen der menschheit, die ausforschung des retinalen sehens, die perspektive, die anatomische richtigkeit, der menschliche körper, äussere bereiche der erotik, das stilleben, blumen, pflanzen, früchte, die üppigkeit von nahrungsmittel, das sonnenlicht in der landschaft, die farbzerlegung (divisionismus), die abstraktion bis zur direkten darstellung und einbeziehung nochmals des körpers, seiner physiologischen funktionen durch body art und aktionismus, welcher der erotik und sexualität den breitesten spielraum zugestand. hier setzt frank gassner ein. das männliche glied, vornehmlich das erregte männliche glied, konkret abgebildet, nicht dargestellt wurden dokumentiert, ist sein arbeitsfeld. diese auseinandersetzug und das einbeziehen von konkreten objekten bzw. bereits vorhandenenwirklichkeitsbereichen ist bei ihm bereits voraussetzung. die vorgänge um die befruchtung, die bereitschaft des männlichen gliedes zur zeugung wird demonstriert. eine liebe zum detail ist gegeben die die vorgänge über kunst und ästhetik fast verwissenschaftlicht. Hinter dem oft lanzenartig als zeugungsgerät hervortetenden glied ist die ganzheit eines erregten körpers, alle sinne sind auf den bevorstehenden zeugungsakt konzentriert das bewußtsein ist voll mit lust angefüllt und erwartet den exzess des orgasmus eine neue ästhetik von scham und ekelgefühlen gereinigt, lehrt uns diesen vorgang in all seiner tiefe und bedeutung nach zu schätzen.
in der botanik hat man längst gelernt die befruchtungsvorgänge sachlich zu beschauen und sie eingebettet in eine funktionelle ästhetik zu analysieren. es ist eine pionierleistung von frank gassner den befruchtungsvorgang der menschen auf eine neue weise für die kunst zugänglich zu machen.

hermann nitsch, prinzendorf, 2003
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